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Online-Kurzgeschichten
Lesezeit: etwa 3 Minuten
von
Carolin S.

Sofahelden

"Für die Gründung einer Ska-Band suche ich Musiker!"
Klingt nicht schlecht. Ich mag Ska. Ich spiele Instrumente. Aber weder der Off-Beat auf der Ska-Gitarre noch ein Blechblasinstrument gehören zu meinen Künsten.
Egal. Mal anrufen und horchen.
"Ich spiele auch Querflöte", informiere ich den guten Kris am anderen Ende der Leitung und obwohl uns beiden klar ist, dass dieses klassische Instrument in der Rock- geschweige denn Skamusik selten eingesetzt wird – man sehe mal vom legendären Ian Anderson ab – wollen wir es versuchen.
Ein buntes Trüppchen sammelt sich an einem heißen Juli-Sonntag-Nachmittag im Keller eines Jugendzentrums und versucht die erste, gemeinsame Probe: Val am Schlagzeug, Bene am Bass, Floyd an der Gitarre, Matti an der Posaune, Pete und Kurb an den Trompeten und Kris am Gesang. Ich stehe mit meiner Querflöte irgendwo dazwischen und versuche, mich in einen Jam einzufügen. Klappt semi. Klingt einfach nicht. Aber ich mag die Jungs.
Es fehlt ein echtes Saxophon, und bei der kommenden Probe steht meine jüngere und in meinen Augen sehr begabte Schwester Christine zwischen uns im stickigen, engen Probenraum.
Ein Neuanfang! Naiv, wie nur Twens sein können.
Wir brainstormen, wollen Songs schreiben, unsere Lieblingssongs covern und ganz groß rauskommen. Technikgenie Floyd, der seine musikalische Heimat in den 1980ern inklusive Soundeffekte wie Delay, Chorus und Flanger bis zum Anschlag sieht und Bassist Bene sind die Pros an ihren Instrumenten. Auch Christine greift auf eine langjährige Spielpraxis in Jazz-Big-Bands zurück. Doch wir anderen sind blutige Anfänger. Val spielt ein halbes Jahr, die Bläserfraktion ist Schützenvereins-Musik gewohnt und ich habe ja wie bereits erwähnt noch keine Position gefunden. Auch Kris hat Schwierigkeiten, die richtigen Töne zu treffen und hilft sich lieber mit Rezitativ-Gesang aus.
Ohne Proben nach Oben wird also nicht funktionieren. Doch ehrgeizig sind wir!
Und mal ehrlich: Dieser Jugendzentrums-Probenraum hat zwar Flair, aber acht Quadratmeter sind für eine neunköpfige Kapelle im Hochsommer auch angesichts der schlechten, klimatischen Bedingungen nicht durchzuhalten.
"Wir haben ein Haus mit ganz viel Platz", fällt Kris ein.
Eine Woche später dekorieren wir unseren luftigen Probenraum mitten in den Feldern neben einer Dachterrasse und Halbhochbett als Sitzgelegenheit. Ein Sofa ist es nicht, aber Helden sind wir trotzdem, und so taufen wir uns als Sofahelden.
Wir können gefühlt nichts, wir stoßen schnell an unsere Grenzen, wir sind uns einig über all diese Tatsachen, doch wir strengen uns an und haben schon bald unseren ersten Auftritt, denn all diese Mankos sind uns egal.
Wir haben Spaß! Und das Publikum spürt das.
So muss das!